Wirtschaftsteil-Garten
An den Füßen des klösterlichen Hügels, von der südlichen Seite, stehen Ruinen der alten Wirtschaftsgebäude. Bis heute wird der traditionelle Namen „Browarek" (kleine Brauerei) gebraucht - nach dem Gewerbebetrieb, das hier eine dominierende Bedeutung hatte. Sogar die Straße trägt einen damit verbundenen Namen (Browarniana).
Die Geschichte führt uns in vergangene Jahrhunderte. In alten Zeiten gab es hier wahrscheinlich einen Lager für die laufenden Vorräte. Später wurde eine Mühle dazugebaut - angeblich eine Wassermühle, weil die in der Nachbarschaft errichteten Dämme auf Fischzucht und Teiche hinweisen, aber in Wirklichkeit waren Pferde im Göpel die Antriebskraft. Das Ganze stand in einer schwer zugänglichen, aber exponierten Stelle, später wurde das Terrain mit einer Mauer umgeben. Bis heute existiert deren Eingangstor, die vom Geschmack und Ehrgeiz des Architekten zeugt. Hier war das Herrschaftsgebiet des Gutsverwalters und der Konversbrüder, die schon immer die körperliche Arbeit vorrichteten - und man braucht niemandem zu erklären, wie wichtig und notwendig sie war.
Der heilige Benedikt wollte zwar, dass die ganze Gemeinschaft - nach dem Vorbild der Apostel - von seiner Hände Arbeit lebt, doch es hat sich schnell „Klerikalisierung" vollzogen, insbesondere weil die obligatorische Liturgie, welche als Hauptaufgabe galt, das Studieren und den Empfang der Priesterweihe von den Mönchen förderte. Letztendlich wurden die Arbeiten im Garten und im Bauernhof, sowie andere wichtige Aufgaben - von diesen Brüdern übernommen, die keine Priester waren. Diese Arbeit geriet in Vergessenheit, niemand schrieb darüber, da sie so gewöhnlich war. Heute findet sie mehr Beachtung, und man rühmt sich im Kloster auch des von Mönchen - Gärtnern und Mönchen - Landwirten erarbeiteten Ertrages.
Man weiß nicht, wie viel von diesem positiven Sachverhalt dem Kloster in Tyniec zugeschrieben werden darf. Den örtlichen Mönchen - selbstverständlich denen aus den alten Zeiten - wurde vorgeworfen, dass sie sich allzu sehr für das Vermögen interessierten. Die Gemeinschaft lebte damals von der „feudalen Rente" - den Abgaben und Leistungen der Bauern. Sogar der berühmte polnische Geschichtsschreiber, Jan Długosz, hat über Tyniec geschrieben und mit Annerkennung den dortigen Obst- und Gemüsegarten, Weinberg sowie die Bienenzucht erwähnt. In der Umgebung des Klosters kann man das alles noch lokalisieren. Bis heute heißt der benachbarte Hügel „Weinberg". Weintrauben baute man dort sogar noch im 19. Jahrhundert, in der Zeit, wenn sich das Kloster in Tyniec seinem Ende näherte.
Interessant ist die 1809 entstandene Beschreibung des Gartens von einem Augenzeugen: „Unter dem Kloster gab es einen Garten und bei ihm ein Glashaus. Oben, direkt am südlichen Hang des Felsens, auf dem das Kloster und die Kirche emporragten, standen in einer langen Reihe, in riesigen Eimern Zitronen-, Orangen- und Feigenbäume".
Nach ein Paar Jahren hat derselbe erzählt: „Der Vater brachte aus Tyniec sechs Zitronenbäume, die ihm vor einigen Jahren die Benediktiner schenkten, nachdem ihre Gemeinschaft um 1815 aufgelöst worden war. Sie bekamen Gehalt und Erlaubnis, in Pfarreien zu wohnen. Bereits vor der Auflösung herrschte bittere Not in dem früher so reichen Tyniec, deshalb verkauften die Priester ihre Orangerie aus. Dem Vater schenkten sie damals sechs riesige Zitronenbäume. Es waren prächtige Exemplare. In Krakau blühten sie einige Jahre sehr schön auf und hatten sogar Früchte..."
Das Aussehen des damaligen Garten kann man aus den bis heute bestehenden Spuren erschließen: er ist immer noch von einer glockenförmigen Mauer umgeben; oben befindet sich der Tor des Heiligen Benedikts. Weiter wurde das südlich neigende Terrain durch Terrassen und einen Weg geteilt, die durch die Mitte führte. Das reichte den Historikern, um die Errichtung der Anlage in die Zeiten der Renaissance datieren zu können. Es gelang sogar die ursprüngliche Teilung in Quartiere zu erraten, die mit den Obstbäumen abgegrenzt wurden. Es war in alten Klostern üblich, Gartenkunst zu pflegen, deshalb zeichnete sich das Kloster in Tyniec wahrscheinlich nicht besonders aus und blieb auch nicht speziell zurück.
Den näher am Kloster liegenden Teil des Gartens hat man anders organisiert. Es halfen die Konföderierten von Bar, indem sie die Gegend für Verteidigung vorbereiteten. Sie bauten Festungsanlagen auf den in der Nähe liegenden Hügeln, Winnica und Szpitalka, und befestigten - wie die Grundrisse verraten - den sog. Oberen Garten. Die Spuren ihrer Anwesenheit sind in Tyniec bis heute erkennbar. Dieser, nicht sehr große, Gartenteil, der mit einem irregulären Halbkreis das Kloster vom Süden, Osten und Norden umgibt, spielt eine wichtige Rolle im Leben der Gemeinschaft: es ist die einzige, den Klosterbewohnern unmittelbar zugängliche Grünfläche.



Studio Reklamowe OLAWSKI